Noch aus der Nullzinszeit fahre ich derzeit eine (passive) Investment-Strategie, die nahezu 100% Aktienquote vorsieht.
Ich reevaluiere allerdings derzeit diese Strategie, da
- sie angesichts steigender Renditen an den Anleihemärkten allmählich aus der Zeit gefallen wirkt
- ich meinem im Vergleich zu damals gestiegenem Lebensalter Rechnung tragen muss
- ich deutliche Anzeichen nicht nur einer Blase sehe (Krisen gibt’s immer), sondern auch merkliche Korruption an den US-Märkten (Insider Trades, Marktmanipulation, Aufweichung von Anleger schützender Regulierung durch Lobbying).
Das alles macht es ratsam, einen Teil meines Portfolios umzuschichten in “sicherere” Assets. Dass ich dabei auf Rendite verzichte, ist klar; ich kehre damit zurück zu Portfolios “älterer” Bauart. Für den Anfang plane ich mit 80% risikobehaftetem Teil, 20% risikoärmerem Teil, mit weiter fortgeschrittenem Lebensalter kann man die Anteile dann weiter verschieben.
Die Frage ist nur: Wie investiere ich den risikoärmeren Teil? Welche Anlageklassen bieten sich an? Die folgenden Assets fallen mir ein:
- Anleihen-ETFs auf Staatsanleihen hoher Bonität - aber welche Laufzeiten bieten sich an, um das Zinsänderungsrisiko zu senken? Und was ist mit den auch merklich gestiegenen Risiken angesichts horrender Staatsverschuldung?
- Festgeld für Beträge unterhalb der Einlagensicherung?
- Geldmarkt-ETFs?
- Tagesgeld, wenn unterhalb der Einlagensicherung und man ggf. schnell über die Mittel verfügen möchte?
Ich wäre neugierig auf eure Meinungen, Erfahrungen und Ergänzungen zu meinen Vorüberlegungen.
Mindestens zwei deiner Begründung finde ich schwierig.
Zum einen haben sichere Sichteinlagen / Anleihen, damit meine ich kurzläufer höchster Bonität in deiner Heimatwährung, historisch eigentlich selten bis nie die Inflation ausgeglichen. Jetzt auf den höheren Nominalzins zu schielen und davon auszugehen, dass mehr zu holen wäre, ist denke ich ein Irrweg.
Siehe Gerd Kommer - Nullzinsen und Anlagenotstand – real oder nur konstruiert? - https://gerd-kommer.de/blog/nullzinsen-und-anlagenotstand/
Die Tabelle dort bezieht sich auf 118 Jahre. Ich sehe nicht, warum das heute anders laufen sollte.
Der andere von dir genannter Grund klingt wie Market Timing. Kann sein, dass jetzt irgendwas überhitzt ist, kann sein, dass das noch 15 Jahre so läuft. Wer weiß das schon?
Wenn du an sich einen Sicherheitanker im Depot möchtest, einfach weil deine Risikotragfähigkeit aus Gründen, sei es Alter, andere Lebensumstände, gesunkenem Humankapital, gilt wie immer
- in Heimatwährung
- kürzestmögliche Laufzeit
- bestmögliche Schuldner
Für mich bleibt da Geldmarktfonds, Tagesgeld unterhalb der Einlagensicherung bei deutschen Banken oder kurzlaufende deutsche Staatsanleihen in nem ETF.
Den Rest würde ich über die Verteilung machen.
Danke für den Hinweis auf den Kommer-Text, den ich mir zu Gemüte führen werde.
Der andere von dir genannter Grund klingt wie Market Timing. Kann sein, dass jetzt irgendwas überhitzt ist, kann sein, dass das noch 15 Jahre so läuft. Wer weiß das schon?
Ich habe mein Sentiment tatsächlich schon vorab auf diesen möglichen Vorwurf geprüft und war der Ansicht, dass das kein Market-Timing ist. Korrigiere mich gern, wenn du Lücken in meiner Argumentation siehst. AmS ist das kein Market Timing, da
- ich gar nicht plane, diese Mittel in den risikobehafteten Teil zurückzubewegen, “wenn die Luft rein / die Gelegenheit günstig / die Bewertungen wieder niedrig sind” (all das sind ja typische Market Timing-Überlegungen). Mir geht es um de-risking, d.h. einen Teilausstieg, nicht um Ausstieg und Wiedereinstieg zwecks Renditeoptimierung.
- man sich beim Market Timing ja trotzdem darauf verlässt, dass die Märkte nach einer Korrektur oder einer Krise irgendwie wieder “rational” werden - und dann steigt man wieder ein. Ich hingegen möchte eher mein Risiko reduzieren für den Fall, dass uns die Rationalität und Fairness in den Märkten dauerhaft abhanden kommt. Damit meine ich vor allem die fast schon offene Korruption in den USA. Natürlich gab es Betrug, Korruption und lobbyistische Einflussnahme auf die Politik immer schon am Markt. Aber dann sehe ich, wie dort
- eine kleine Clique nahezu offen Insiderhandel betreibt (vgl. die Trades der Trump-Freunde in Zusammenhang mit dem Irankrieg).
- Industriezweige sich durch geschickte Einflussnahme von der Politik geradezu für sakrosankt erklären lassen (vgl. das 10-Jährige “Regulierungsmoratorium für KI”).
- große Indizes auf Oligarchendruck hin ihre Regeln aufweichen (siehe die NASDAQ-Aufnahme von SpaceX direkt nach deren IPO).
Und angesichts dieser Korruption habe ich große Zweifel, ob selbst bei breit gestreutem Investment Risiko und Rendite noch im richtigen Verhältnis zueinander stehen.
Wenn die Korruption des Finanzadels, die ich btw auch krass finde, dich zum Umschichten bewegt, dann würde ich mich folgendes fragen:
Wie kann ich meine Finanzen so anlegen, dass sie ausserhalb des globalen Finanzsystems liegen und der korrupte Finanzadel darauf keinen Einfluss mehr hat?
Da würden mir spontan eher Sachwerte einfallen. Aber keine Anleihen, Festgeld, Crypto oder ähnliches, da im gleichen Geldsystem verortet.
Welche Sachwerte das wären, wüsste ich imho auch nicht. Am besten welche unter eigener Kontrolle. Eigenheim ist gut, aber da schichtet man nicht mal eben um. PV Anlage? Gold- und Silbermünzen?
Hört sich aber eher nach einer Prepper-Strategie an, oder ;-D
Alles valide Punkte, die man kritisch sehen kann, die Frage bei jeder Investitionsentscheidung ist ja immer, was die Alternative ist. Wenn du nicht in Sachwerten bist, bist du in Euros oder Dollars. Was passiert mit denen langfristig, wenn wir in Europa weiterhin ein nicht befriedeten Krieg haben, mehr als einen wackeligen Staatshaushalt, Export Deutschlands stottert, Donald Trump Trump Dinge macht?
So schäbig ich Donnie finde, so überbewertet KI, so wenig habe ich Lust, mich von den knappen Staatshaushalten Europas abhängig zu machen. Sehe nicht, dass Inflation langfristig in den Griff bekommen wird und die Druckerpresse auf Umwegen wäre ein Umweg, der nicht kurzfristig zu irgendwelchen Protesten führt. Anders als alle Sparmaßnahmen.
Wenn ich so eine 80-20 Teilung machen wöllte, dann würde ich über Global Portfolio One nachdenken. Die “sicheren 20%” sind dort Schweizer Staatsanleihen und ähnliches. Außerdem gibt es eine Automatik, dass in einer Krise die Quote zu 90-10 oder sogar 100-0 wird, sprich die günstigen Preise ausnutzen.
Für mich sehe ich da keinen Bedarf, denn meine “sicheren Assets” sind vor allem ein Haus und staatliche Rente und das ist sowieso deutlich mehr als 20%.
GPO fahre ich schon (allerdings nicht über Beck, sondern selbst gestrickt über ETFs). Es ändert aber nichts daran, dass Becks Strategie (GPO) im Krisenszenario letztlich 100% Aktienallokation vorsieht und die 20% nur vorhält, um antizyklisch investieren zu können (“buy the dip”). Ich will etwas Sichere(re)s neben der GPO-Strategie.
Den Herrn Beck in allen Ehren, klingt kompliziert für mehr oder weniger gleiches Ergebnis wie ein Vanguard Life Strategy mit konstanter Aktienquote https://www.fondsweb.com/de/vergleichen/ansicht/isins/AT0000A2B4T3,IE00BMVB5S82

