Damit könnte ich es bewenden lassen, denn der Schluss trägt schlicht nicht. Mich stört an diesem Fall jedoch mehr als ein Denkfehler. Natürlich erfindet niemand das Rad neu, und alle stehen, wie es so schön heißt, auf den Schultern von Riesen. Software entwickelt sich weiter, indem sie Ideen aufgreift, verändert und verbessert. Ein 1:1-Nachbau ist aber keine Weiterentwicklung, er ist ein Klon, und ihm fehlt jegliche Eigenleistung.

Hinter den Entscheidungen, die ein solcher Klon übernimmt, stehen Menschen: Designerinnen und Designer, die einen Arbeitsablauf so lange umgebaut haben, bis er sich selbstverständlich anfühlte, Entwicklerinnen und Entwickler, die Algorithmen gesucht und verfeinert haben, und Produktverantwortliche, die entschieden haben, was hineingehört und was nicht. Ihre Arbeit ist der eigentliche Gegenstand des Nachbaus, auch wenn sie in keiner Zeile des neuen Codes auftaucht.

Hier bringt der Autor Urheberrecht auf Software und Design glaube ich etwas durcheinander.

Damit bin ich bei dem Punkt, der mich an diesem Fall am meisten beschäftigt. Im April habe ich in Open Source ist nicht das Problem, sondern sein Missbrauch durch Konzerne geschrieben, dass Open Source den Wert von Softwarearbeit gesenkt hat, und zwar vor allem den Wert der Gedankenleistung hinter einem Produkt. Damals habe ich die Ursache in erster Linie in den Strukturen gesehen, die sich um Open Source herum gebildet haben. Heute würde ich das drastischer formulieren.

Wer seine Arbeit kostenlos veröffentlicht, trifft damit im Zweifel eine Aussage über sich selbst: dass diese Arbeit und die Zeit, die darin steckt, offenbar nichts wert sind. Mir geht es dabei nicht um den Gegensatz von offenem und geschlossenem Quellcode, sondern um das Signal, das von verschenkter Arbeit ausgeht. Über Jahrzehnte haben wir als Branche auf diese Weise eine Erwartung geschaffen, die uns heute einholt: dass gute Software nichts kosten muss.

Das finde ich absurd. Aber einen interessanten Anstoss zum Nachdenken.

  • Sind Dinge, die man verschenkt oder teilt, weniger wert?

  • Wenn mir meine Freundin von Hand als Geschenk einen Pullover strickt, ist der weniger wert als das 30 Euro Teil vom C&A?

  • Wenn ich aus Vollholz ein Bett für meinen Sohn baue, ist es weniger wert als was Gekauftes vom IKEA?

  • Ist von Menschen geschriebener Sourcecode für gute Software etwas völlig unpersönliches oder ist es doch eine lebendige kreative Leistung?

  • Ist ein Klon eines komplexen Softwaresystems, wie Linux ein Klon von AT&T Unix ist, Haiku ein Klon von BeOS, oder FreeDOS und DrDOS ein Klon von MD-DOS, grundsätzlich eine eigenständige kreative Leistung oder nicht?

  • Hat die Softwarebranche je ein Problem gehabt, sich urheberrechtlich und per Copyleft/GPL geschützte Open Source Software wie den Linux Kernel entgegen der Lizenz einzuverleiben? Ist die Möglichkeit, das weißzuwaschen, nicht gerade ein massgeblicher Treiber für den KI Hype in der Softwareentwicklung ?

  • CyberEgg@discuss.tchncs.de
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    20
    ·
    3 days ago

    Klingt für mich nach voll verinnerlichtem Kapitalismus. Der Wert einer Sache wird durch die monetäre Vergütung bestimmt und wer kein Geld für die eigene Arbeit nimmt ist ein Verräter. Innerhalb des Kapitalismus und einer gewinnorientierten Gesellschaftsstruktur ist das natürlich korrekt und der Autor hat vollkommen Recht. Sobald man dien Kapitalismus allerdings hinterfragt, fällt das allerdings in sich zusammen.

    Das will ich dem Autor noch nicht einmal vorwerfen. Ist nichts anderes wie Religion, die von frühester Kindheit vorgelebt und eingetrichtert wurde. Aber etwas britisches Hinterfragen würde ich dem Autor doch nahelegen, ob das denn wirklich der einzige Weg ist oder ob Alternativen nicht gesamtgesellschaftlich besser wären, denn eine solche Grundeinstellung ist nunmal leider das, was uns in die meisten Krisen der letzten 50 Jahre (ungefähr) gebracht hat.

    • Matombo@feddit.org
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      15
      ·
      3 days ago

      Lol “mit etwas britischem Hinterfragen”

      akzent an “Sir, I shall point your consiousness to the fakt that you indeed only looked at this from a capitalist standpoint”

  • UltraBlack@lemmy.world
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    11
    ·
    3 days ago

    Adobe darf gerne brennen. Viele Jahre lang alles nur schlechter und teurer gemacht, weil es quasi keine Konkurrenz gab. Seit dem Artcraft slop haben die ihre Preise halbiert… Photoshop braucht eh keine neuen features mehr. Schon garnicht noch mehr KI.

    • chmod755@feddit.org
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      8
      ·
      3 days ago

      Bei dem PhotoCraft Programm fehlt aber noch einiges z.B. JPEG XL und AVIF Support sind nicht eingebaut.

      Ich spende €20 im Monat an GIMP und andere sollten das auch tun.

      • UltraBlack@lemmy.world
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        3 days ago

        Bei gimp bin ich auch absolut dabei. Artcraft und so ist halt slop und ohne Zukunft. Ui/ux von gimp ist halt leider grausam, aber abgesehen davon ist es toll

  • chmod755@feddit.org
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    10
    ·
    3 days ago

    Dinge die man verschenkt oder teilt können auch mehr Wert haben als gekaufte Dinge.

    Klone von Programmen können sogar besser werden als das Original.

  • DrunkenPirate@feddit.org
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    8
    ·
    3 days ago

    Um auf die psychologischen Aspekte einzugehen: JA

    Dinge, in die man keinen Aufwand in Form von Zeit und/oder Geld steckt, empfindet der Mensch als weniger wert.

    • Selbstgemalt/ Selbstgeschrieben: Wertvoll

    -Ausgedruckt: Wertlos

    usw.

    Unter diesem Aspekt wird Softwarearbeit entwertet. Und zusätzlich, weil es jetzt jeder kann.

    Das Phänomen ist seit Jahrzehnten, seit dem Aufkommen von DTP (erste Grafik- und Layoutprogramme) in der Grafikbranche bekannt und findet durch GenAI nun sein Finale.

    • HaraldvonBlauzahn@feddit.orgOP
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      3 days ago

      Unter diesem Aspekt wird Softwarearbeit entwertet. Und zusätzlich, weil es jetzt jeder kann.

      Der Autor des Artikels hat aber die Ansicht vertreten, dass Open Source Software schon bisher entwertet hat, weil sie kostenlos geteilt wurdr.

      • DrunkenPirate@feddit.org
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        3 days ago

        Dann würde ich dem zustimmen

        Die einzigen Gründe, warum man heute für Software bezahlt, sind:

        • keine Werbung
        • neue, spezielle oder einzigartige Features
        • gute UX (ist bei Open Source idR grottig)
        • Bekanntheit bzw. die kostenlose Version ist nicht breit bekannt
        • Lock-in Effekt
  • Majoran@feddit.org
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    6
    ·
    3 days ago

    Manche Formulierungen über Mehrwert im Artikel sind komisch, aber ich finde, er trifft trotzdem einen wichtigen Punkt über die anderen Aspekte de Software-Entwicklung. Hot Take und nennt es Coping, aber ich glaube weiterhin, dass ich mit KI immer noch weitaus besser programmieren kann als jemand, der nicht vor KI programmieren gelernt hat, einfach weil ich eine gewisse Intuition über den Möglichkeitenraum des Programmierens habe. All diese KI-Projekte haben immer eine gähnende Leere im Kreativraum: Guck mal, mein Tetris-Klon, den ich in 6 Stunden gesloppt habe, guck mal ein PhotoShop-Klon, mein TODO-Listen-Klon. Das ist ja auch alles sehr beeindruckend, wie gut KI handwerklich programmieren kann, aber es wird halt immer wieder unterschätzt, wie viel Eigenleistung darin steckt, selbst ein Problem und, darauf aufbauend, einen sinnvollen Lösungsweg zu identifizieren. Zugegeben ist das in der wirtschaftlichen Software-Arbeit ohnehin nicht sehr vordergründig, weil das eh alles vom seelenlosen Management wegentschieden wird; wer aber wirklich etwas neues erfinden will, wird das nicht schaffen, indem er einfach drauf lossloppt, und ich glaube auch nicht, dass KI einem das abnehmen kann.

    • JensSpahnpasta@feddit.org
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      1
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      3 days ago

      All diese KI-Projekte haben immer eine gähnende Leere im Kreativraum: Guck mal, mein Tetris-Klon, den ich in 6 Stunden gesloppt habe, guck mal ein PhotoShop-Klon, mein TODO-Listen-Klon. Das ist ja auch alles sehr beeindruckend, wie gut KI handwerklich programmieren kann, aber es wird halt immer wieder unterschätzt, wie viel Eigenleistung darin steckt, selbst ein Problem und, darauf aufbauend, einen sinnvollen Lösungsweg zu identifizieren.

      Was das wirklich irgendwo mal anders? Auch früher vor KI hat jeder Einsteiger erstmal ein paar simple Projekte durchgeführt. Den fast schon klischeehaften Taschenrechner. Ein Tetris. Die Notizapp. Du weißt schon. Jetzt gibt es halt plötzlich einen Haufen neuer Entwickler, die dir stolz ihren Taschenrechner zeigen wollen und das ist … auch ok?

      Und am Ende: Software soll ja im Idealfall ein konkretes Problem beheben. Natürlich gibt es für viele Standardprobleme schon eine Software. Es gibt halt schon Taschenrechner, aber es ist jetzt auch nicht dramatisch, wenn jemand einen eigenen Taschenrechner programmiert.

      • Majoran@feddit.org
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        3 days ago

        Das Taschenrechner-Projekt war früher aber eine Übungsaufgabe, um das Programmieren zu erlernen. Dadurch hat der Einsteiger ja verstanden, was die Probleme, Einschränkungen und auch Möglichkeiten beim Programmieren sind. Diese Erfahrung kriegt man nicht, wenn man der KI sagt, dass sie mal einen Taschenrechner programmieren soll. Es wird am Ende natürlich auch immer gute Programmierer geben, die keinerlei Kreativität haben und Leute mit guten Ideen, die aber nicht programmieren können. Ich behaupte aber, dass es tendenziell weiterhin vorteilhaft ist, sich die Arbeitsweise eines Computers mental möglichst gut vorstellen zu können, um auch ein Gefühl dafür zu haben, was eigentlich Probleme sind und wie eine gute Lösung aussehen könnte.

        • JensSpahnpasta@feddit.org
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          3 days ago

          Ich bin ja voll und ganz bei dir - ich merke es an den Kollegen ohne IT-Hintergrund, dass Computer und gerade KI im Kern irgendwie magische Dinge sind, die entweder alles können oder die völlig unbedienbar sind. Mich erinnert diese Debatte nur an meinen unseligen Informatikunterricht damals in der Schule, wo der Lehrer ernsthaft der Meinung war, dass Assembler ein unglaublich wichtiges Tool wäre, um Computer zu lernen und dass Nullen und Einsen zu verstehen wirklich wichtig wäre. Mag ja so gewesen sein, am Ende hat aber keiner von uns irgendwas sinnvolles an Programm produziert und wir konnten logischweise auch keine Programme für das damals aktuelle WinXP schreiben oder gar die Computerspiele, die wir eigentlich wollten.

          Von daher bin ich da aus dieser Erfahrung heraus echt kritisch: Klar kannst du am Anfang anfangen und dich dann irgendwann den Stack hochlernen, aber das ist hart mühsam und du wirst dann vieles von den Anfängen nie mehr brauchen. Dieses Nullen und Einsen ist ja selbst für Programmierer mittlerweile total egal in der täglichen Arbeit. Von daher: Wenn jemand jetzt Interesse am Thema hat und sich einen Taschenrechner vibecodet, dann ist das aus meiner Sicht erstmal gut. Wenn er/sie dann weitermacht und sich den Stack nach unten lernt, ist das voll ok.

          (und ich bin gerade auch nicht sicher, ob Programmierer oder Programme wirklich immer kreativ sein müssen. Ehrlich gesagt bin ich gerade sehr happy, dass wir anscheinend einen brauchbaren Excel-Klon für Linux bekommen, bei dem alle Bedienelemente genau da sind, wie im Original. Die ganzen anderen Alternativen machen dann ja doch diverses so anders, dass es hart nervt)

          • da_cow (she/her)@feddit.org
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            23 hours ago

            Assembly ist weiterhin enorm wichtig, wenn man mit Sprachen arbeitet die compiled werden, da das bewerten des Assembler Outputs es ermöglicht Bugs zu finden die im ursprungscode unsichtbar sind. Zudem ist Assembly für das entwickeln von Betriebssystemen enorm wichtig, da ohne Assembly keine CPU startet und auch das Implementieren von essentiellen Teilen des Betriebssystems wie dem Kontext Switch erfordern Assembly.

            Programmteile die enorm Kritisch für die Performance sind werden auch heute teils noch in Assembly geschrieben, bspw. arbeitet FFMPEG viel mit Assembly.

            Ob Assembly deswegen aber die Richtige Sprache für den Einstieg ist, steht dabei aber auf einem anderen Blatt.

          • smokeysnilas@feddit.org
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            3 days ago

            gar die Computerspiele, die wir eigentlich wollten

            Ich würde behaupten der Lehrer hat das bloß schlecht vermarktet: Assembler lernen ist die Grundlage zum Knackern der ganzen Raubkopien die auf dem Schulhof getauscht wurden. Willst du deine Freunde auch mit nem coolen Cracktro beeindrucken? Dann kannst du jetzt lernen wie sowas gemacht wird.

          • Majoran@feddit.org
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            3 days ago

            (und ich bin gerade auch nicht sicher, ob Programmierer oder Programme wirklich immer kreativ sein müssen.

            Nein, ganz sicher nicht immer. KI-Programmierung wird die Coding-Landschaft auch ganz sicher fundamental ändern bzw. hat es schon, das ist keine Frage.

            Gerade Computerspiele sind für mich aber ein spezifischer Bereich, mit denen ich meine Behauptung am liebsten stütze. Ich erinnere mich immer an einen ehemaligen Kommilitonen von mir; wenn ich ein “guter” Programmierer bin, war er ein absolut hochbegabter. Der stereotypische “10x Engineer”, wie man so sagt, an den ich niemals rankommen würde, da selbst wenn ich fehlerlos programmiert hätte, er in der Zeit schon zehnmal soviel Code produziert hat. Der wollte immer unbedingt ein Spiel mit mir programmieren und ich habe nie mitgemacht, weil all seine Spielideen für mich totlangweilig waren. Es war immer genau das, was gerade in der Marktanalyse ganz oben stand und davon dann noch ein Klon. Vielleicht wäre sowas was geworden, aber ich hatte daran einfach nie Interesse. Und KI ist einfach genau diese Denkweise, nur noch komplett zugekokster.

            Das spricht jetzt ein bisschen dagegen, was ich vorher sagte, dass das Programmieren-können mit Kreativität einhergeht; das tut es nicht unbedingt. Und nicht jeder Informatiker ist in allen Dingen gleich gut. Programmierarbeit kann allerdings nicht allein auf die Fähigkeit reduziert werden, die die KI am besten kann. Es gibt Programmierer, die so denken, und die werden auch am ehesten ersetzt werden. Alle anderen werden schauen, welche Fähigkeiten es noch drum herum gibt und sich durch diese vom Rest absetzen.

            • JensSpahnpasta@feddit.org
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              2 days ago

              Ich weiß, was du meinst, aber diese BWL-Herangehensweise an Spiele, die irgendwie mit Marktanalyse, Zielgruppe und Microtransactions beginnt und möglichen Umsätzen und dann ein möglichst günstig zu entwickelndes Spiel drumrumzimmert, die gab es ja auch schon lange vorher. Du hast es ja selbst beschrieben.

              Und ich weiß halt, dass man auch kreative Ideen umsetzen kann. Ich bastle mir nämlich gerade selbst fleißig die Videospiele, die ich gerne zocken würde und die es nicht gibt. Klar startet man dann mit Klonen bestehender Spielideen, aber dann kommt da doch einiges an eigenen Ideen und Kreativität rein. Im Kern ist KI für mich ein Werkzeug und genau wie mit einer Säge kann man halt kreative Dinge sägen oder halt hart unkreative. Oder man nutzt sie nur, wenn man was gesägt haben muss

    • datendefekt@feddit.org
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      3 days ago

      Bei der fehlenden Kreativität muss ich daran denken: was ist mit neuen Patterns, Sprachen oder Paradigmen? Die LLMs sind sprachlich eingefroren.

      Wenn man eine neue Sprache erstellt, die auf LLMs und Tokenverbrauch optimiert ist, hat man ein Problem. Die Sprachmodelle sind nicht darauf trainiert, und haben nicht die Intelligenz, gelernte Konzepte auf eine andere Sprache zu übertragen.

  • jgjl@discuss.tchncs.de
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    3 days ago

    Was die sensationalistische Nachricht verschweigt ist dass es schon vorher mehrere Open Source Projekte gab und gibt, die mehr oder weniger die gleiche Funktionalität wie Photoshop haben. Daher ist es kein Wunder, das die KI weiß wie man es nachbaut. Und neu ist die ganze Sache auch nicht…

  • brainwashed@feddit.org
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    3 days ago

    Früher war dass jemand gut funktionierende, strukturierte, dokumentierte und paketierte Software veröffentlicht hat, ein starkes Signal, dass derjenige viel Zeit und Hirn in etwas gesteckt hat und vermutlich auch in Zukunft stecken wird.

    Heute ballert jeder jede one shot Blitzidee raus, stellt es auf Github, macht es paketiert allen Menschen der Welt zugänglich. Cool, ich weiß aber, dass 99 % derjenigen die nicht weiter pflegen werden und ich, wenn ich das nicht selber in die Hand nehme, Abandonware installiere. Heisst für mich der Code ist weniger wert und mich muss wieder stärker auf Institutionen hinter dem Code achten, die diese Versprechen weiterhin geben und einhalten.

    • HaraldvonBlauzahn@feddit.orgOP
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      3 days ago

      Heute ballert jeder jede one shot Blitzidee raus, stellt es auf Github, macht es paketiert allen Menschen der Welt zugänglich. Cool, ich weiß aber, dass 99 % derjenigen die nicht weiter pflegen werden und ich, wenn ich das nicht selber in die Hand nehme, Abandonware installiere.

      Der Kern des Problems ist, das sowohl das Schreiben als auch das Pflegen von traditioneller Software einen aufwendigen und zeitraubenden Lernprozess darstellt. Der Code eines größeren Softwareprojekts enthält mehr Symbole, als man beim Lernen einer Fremdsprache auf mittlerem Niveau verinnerlichen muss. Aufgrund der Tatsache, dass das menschliche Kurzzeitgedächtnis nur ca. sieben Dinge gleichzeitig behalten kann, muss der Entwickler, oder die Entwicklerin regelrecht lernen, wie die symbolisierten Dinge zusammenhängen. Das geht nur mit Wiederholung, und die braucht Zeit.

      Beim KI-generieren des Codes entfällt dieser Lernprozess. Das Ergebnis ist ziemlich analog zu dem, wenn ein Schüler seine Hausaufgaben in Bruchrechnen oder Algebra mit ChatGPT macht: Das Ergebnis wird gar nicht mehr verstanden (egal ob es korrekt ist oder nicht).

      Daher wird solche Software meistens nicht gepflegt - und ist beim jetztigem Stand der Dinge auch schnell nicht mehr vernünftig wartbar.

      Edit: Was noch dazu kommt:

      • Die fortlaufende Entwicklung und Pflegbegrößerer Programme ist erheblich schwieriger als bei kleinen Programmen. 5000 Zeilen sind viel schwieriger korrekt zu halten als 1000. Für Projekte jenseits der 50000 Zeilen braucht es schon sehr viel Erfahrung.

      • Bei wirklich grossen Codebasen hat der menschliche Entwickler gegenüber der KI einen grundsätzlichen Vorteil: Der Mensch lernt bei der Arbeit fortlaufend immer weiter, und je mehr man weiss, desto besser wird das neue Wissen vernetzt.

      • Die KI kann zwar riesige Mengen an Daten “trainieren”, aber das Ergebnis ist fix und danach lernt ein LLM nicht mehr dazu. Das Kontextfenster, in dem LLMs tatsächlich arbeiten können, ist prinzipbedingt wesentlich geringer als was sich der Mensch innerhalb von ein paar Tagen merken kann. Wird die Kontextgrenze überschritten, kommt Müll raus.

      Beides erklärt, warum GenAI (bisher jedenfalls) grösse Software nur schlecht laufend entwickeln bzw warten kann.

    • JensSpahnpasta@feddit.org
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      3 days ago

      War das wirklich jemals anders? Ein größerer Teil der Spiele, die du damals auf dem C64 dann von Freunden raubkopiert hast oder über irgendwelche Magazine als Titel-Diskette bekommen hast, war absolut schnell hingerotzter Krams. Diese Spiele auf den ComputerBILD-CDs waren streckenweise auch grenzwertig trashig. Schaut man sich die Storys der alten Devs an, dann haben die sehr häufig unter enormem Zeitdruck Zeugs rausgepumpt, das völlig buggy war. Gepflegt wurde da auch absolut nix mehr.

      • PatrickYaa@feddit.org
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        3 days ago

        Hä? Die Spiele auf Computer Bild waren doch kein Trash. Also gut, die Filler vielleicht. Aber die Haupt-Titel (wegen denen ich das Ding gekauft habe :p), wie Sacred, Die Gilde, Divine Divinity, etc… das war doch kein Trash?

        • JensSpahnpasta@feddit.org
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          3 days ago

          Genau die Filler meinte ich aber - jetzt wird so getan als wäre Slop irgendwie ein neues Phänomen und als wäre Software früher in der guten alten Zeit von weisen und erfahrenen Experten geschrieben worden, die mit Ruhe und Klugheit nur sichere Qualitätsprogramme handgemeißelt haben. Auch früher gab es diesen Slop. Diesen Tetris-Klon, den irgendein Schüler zusammengekloppt hat, der nur auf seinem Rechner lief. Dieses Filler-Spiel mit 2 Leveln und hingerotzter Grafik. Diese Assetflips. Alles altbekannt.

      • brainwashed@feddit.org
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        3 days ago

        C64 war vor meiner Zeit aber die Videospielkrise kam ja nicht von ungefähr. Ich meinte eher moderne OSS die jetzt nicht mehr einem „Sniff Test“ unterzogen werden kann. Die Software hat Tests, eine ordentliche Homepage, readme, Doku. Heißt nur nicht, dass die jemals jemand wieder anfasst.

    • HaraldvonBlauzahn@feddit.orgOP
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      3 days ago

      Heute ballert jeder jede one shot Blitzidee raus, stellt es auf Github, macht es paketiert allen Menschen der Welt zugänglich. Cool, ich weiß aber, dass 99 % derjenigen die nicht weiter pflegen werden und ich, wenn ich das nicht selber in die Hand nehme, Abandonware installiere.

      Das ist das generelle Problem beim KI Slop (was hier vielleicht, aber nicht notwendigerweise zutrifft). Damit hat die Softwarebranche mehrheitlich kein Problem - Hauptsache billig.

      Um so interessanter, dass beim Klonen kommerzieller Software da empfindliche Hühneraugen auftreten.

      Nicht, dass ich den aktuellen Teil- oder Vollabriss des Urheberrechts gut finde. Aber dieser trifft gerade vorrangig Open Source, Musiker, Fotografen und Künstler, während Unternehmen wie NVidia und Microsoft containerschiffweise Schotter einfahren.

      • brainwashed@feddit.org
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        3 days ago

        Adobe wird auch übermorgen noch Geld verdienen. Du kaufst ja kein Creative-Gedöns um irgendwie ein Bild zu bearbeiten. Du kaufst das als Firma, weil du dazu am Markt Leute kriegst, die das bedienen können, Dateiformate erhältst, die du mit andern Firmen austauschen kannst. Gleiches gilt bei Microsoft. Da hatte OSS vorher prinzipielle Probleme und wird sie mit KI weiterhin haben.

    • GenosseFlosse@feddit.org
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      3 days ago

      Heute ballert jeder jede one shot Blitzidee raus, stellt es auf Github, macht es paketiert allen Menschen der Welt zugänglich. Cool, ich weiß aber, dass 99 % derjenigen die nicht weiter pflegen werden und ich, wenn ich das nicht selber in die Hand nehme, Abandonware installiere.

      Ich habe ein package was ein Feature darstellt was du dir installieren kannst, und das deckt seinen Einsatzzweck sehr gut ab. Weiss nicht was ich da noch wöchentlich an updates Hinterherschieben sollte?

      • Successful_Try543@feddit.org
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        3 days ago

        “Pflegen” heißt in dem Zusammenhang auch auf Bugreports zu reagieren oder selbst die Funktion mit aktuellen Versionen der Abhängigkeiten zu prüfen.

      • brainwashed@feddit.org
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        3 days ago

        Zeig mir deine Software und ich zeige dir, was zuerst weggammelt. Du benutzt mutmaßlich Abhängigkeiten, verwendest eine Programmierumgebung, die irgendwann nicht mehr für neue Betriebssysteme fit gemacht wird, APIs die sich ändern.

        Geht nicht um die Frequenz sondern um die dauer des Supports.

  • HaraldvonBlauzahn@feddit.orgOP
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    3
    ·
    3 days ago

    Ihre Arbeit ist der eigentliche Gegenstand des Nachbaus, auch wenn sie in keiner Zeile des neuen Codes auftaucht.

    Das klingt übrigens so, als wenn Photoshop & Co im Wesentlichen aus GUI bestehen und sonst wenig. Man kann mit KI Produkten Software reverse engineeren bzw. decompilieren, aber das wurde in dem Fall nicht gemacht (und wäre eventuell auch nicht legal, jedenfalls nach US DMCA).

  • HaraldvonBlauzahn@feddit.orgOP
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    3 days ago

    Ich weiss gar nicht so recht, was ich davon halten soll.

    Ich habe aber den Eindruck, dass die Möglichkeit solcher Methoden die Ökonomie der Softwareentwicklung deutlich verändern dürfte.

  • jh29a@lemmy.blahaj.zone
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    3 days ago

    Das Ding an Software (oder Digitalen Medien), die man geschenkt oder verkauft bekommen hat, im Gegensatz zu physischen Objekten, ist dass sie ungefähr keinen Tauschwert mehr hat. Man darf sie ja garnicht weiterverkaufen, weil man sie Kopieren könnte. Außer irgendwas mit Steam Keys oder CDs und DRM verwandelt sie wieder zurück in ein unkopierbares Gut. Das kann man mit abstrakten Designentscheidungen, Algorithmen etc., ja noch nicht mal machen. Das hat aber alles immer noch Nutzwert.

    Der Open Source Evangelismus scheint das untere Ende einer Slippery Slope zu sein, oder eher eines Trichters, weil man aus so vielen verschiedenen Richtungen kommen kann, den man herunterrutscht, weil einem die Geschäftsmodelle oder Prozesse der Softwarehersteller an jeder Stelle nicht schön genug scheinen. Als Juristische Person ist es warscheinlich ungefähr das gleiche, nur mit “günstig und vielleicht noch data sovreignty” statt schön.

    • HaraldvonBlauzahn@feddit.orgOP
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      3 days ago

      Der Open Source Evangelismus scheint das untere Ende einer Slippery Slope zu sein, oder eher eines Trichters, weil man aus so vielen verschiedenen Richtungen kommen kann, den man herunterrutscht, weil einem die Geschäftsmodelle oder Prozesse der Softwarehersteller an jeder Stelle nicht schön genug scheinen.

      Falls Du das GNU Projekt hier meinst: Da war der Ausgangspunkt gerade die Überlegung, dass Software so wichtig wird, und zugleich so billig zu kopieren, dass es den Nutzern wesentliche Rechte entzieht, die Modifikation zu verbieten, und dass es besser ist, wenn Software gemeinschaftlich genutztes ist, ganz so wie der Creative Commons in Wikipedia.